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AWO Begegnungsstätte "Irma Zöller" + KunstWohlfahrt
 

Lesung Georg Felsberg

Allgemeines

Vorweihnachtliche Tradition in der KunstWohlfahrt. Unsere Lesungen im November und Dezember... Georg Felsberg ist bereits das dritte Mal in unserer Begegnungsstätte zu Gast. Jedes Mal frisch zurück von seinen eindrucksvollen Reisen, über die er ebenso eindrucksvoll berichtet. Zur Einstimmung auf seine Lesung am Freitag, 7. Dezember um 19:30 Uhr veröffentlichen wir einen seiner neuen Texte.
Liebst Du mich?

Wenn du im Norden von Vietnam, nicht weit von Sa Pa, nahe der chinesischen Grenze, auf einen sehr hohen Berg steigst, kannst du schnell herausfinden, ob du Glück in der Liebe hast. Du musst nur gemeinsam mit deinem Freund oder eben deiner Freundin, die du liebst, über die mächtigen Felsen bis zum Gipfel klettern. Der Berg heißt Fansipan und ist 3143 Meter hoch, der höchste Berg von Vietnam, ja von ganz Indochina. Der Fansipan, das bedeutet „wankender Riesenstein“, ist auf der geologischen Zeitskala zwischen Perm und Trias,

also vor 250 Millionen Jahre entstanden. Er wird immer noch, sagen die Erdvermesser, in jedem Jahr um 3,2 Zentimeter von unterirdischen Kräften angehoben. Für die Besteigung dieses Berges braucht ihr mit einem guten Führer zwei bis drei Tage. Übernachten könnt ihr in einfachen Berghütten, denn es ist nachts recht kühl, aber nichts ist schöner als sehr früh am Morgen auf dem Gipfel die Sonne aufgehen zu sehen. Wenn ihr gemeinsam den mühsamen Aufstieg geschafft habt, seid ihr, das ist verbürgt, für ein langes Leben in Liebe und mit gegenseitigem Vertrauen bestens gewappnet. Dieses Liebesorakel gilt im Grunde noch heute, wenn auch seit kurzen dieser Berg mit einer modernen Seilbahn „bestiegen“ werden kann. Über 6 Kilometer schwingen sich die Gondeln „non stopp“ durch die Luft. Früher war der vietnamesische Liebestest deutlich anstrengender, heute bringt diese Bahn euch in einer guten Viertelstunde zum Gipfel. Die Zahl der Pärchen, die den Fansipan immer noch mit eigener Kraft bezwingen, hat um mehr als 70 Prozent abgenommen, die Menge der Besucher aber auf der obersten Plattform hat sich durch die Seilbahn vervielfacht. Auch Touristen aus dem benachbarten China überschwemmen jetzt den Gipfel, gehen hier ins Pizzarestaurant, essen geröstete Nüsse oder kaufen Trachtenjäckchen und bestickte Pantoffeln. Ganz oben, noch über dem mächtigen zwanzig Meter hohen Buddha, steht auf dem höchsten Punkt des Berges eine Pyramide aus Edelstahl mit der Inschrift: Fansipan. 3143 Meter. Da muss jeder gewesen sein.
Wer diesen mächtigen Berg, aus eigener Kraft oder mit einer Gondel „bestiegen“ hat, möchte diesen Augenblick festhalten. Ein Foto als Beweis, nein hundert Bilder, sind dafür unbedingt notwendig. So lässt sich jeder mit einer vietnamesischen Fahne fotografieren, in Gruppen mit Wanderkameraden, mit der Familie oder mit der Freundin oder dem Freund. „Ich war hier“, diese Botschaft wird als Selfie sofort überall in die Welt gesendet. Immer mit im Bild: Das Wolkenmeer, die Berge unter dir und die Liebenden.
Es gibt nur ein Problem.
Der Ansturm auf den Fansipan mit der neuen Bergbahn führte dazu, dass die Gipfelplattform häufig wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Lange Wartezeiten waren die Regel. Keine Selfies auf dem Gipfel? Das führte immer wieder zu heftigem Ärger. Welches Liebespaar kann da noch gelassen bleiben.
In Vietnam aber, das lernt jeder Besucher schnell, gibt es für jedes größere Problem eine genial-einfache Lösung.
Es steht jetzt auf dem Fansipan nicht nur die eine oberste Pyramide aus rostfreiem Edelstahl, sondern auf verschiedenen vorspringenden Felsen etwas unterhalb vier weitere... Alle sehen gleich aus, täuschend echt und jede mit der Inschrift: Fansipan 3143 Meter. So können endlich alle Liebenden zur selben Zeit Selfies schießen, Fahnen schwingen und Kusshändchen werfen.

Georg Felsberg
30 Jahre Redakteur und Reporter im ARD-Fernsehen.
Moderator und Produzent von Kulturfeatures und Fernseh-Dokumentationen.
Leiter der Abteilung "Kultur und Unterhaltung" von SDR und SWF (jetzt SWR),
später der Abteilung, die das tägliche Mittagsmagazin "ARD-Buffet" produziert
und seit 2000 auch die tägliche zweistündige Sendung im SWR-Fernsehen
"Kaffee oder Tee".
Seit 2007 reist er jedes Jahr 6 Wochen nach Asien.
Er schreibt Bücher mit Kurzgeschichten über Länder rund um den indischen
Subkontinent und über seine neuen Freunde, die er auf
seinen Reisen kennen lernt.
Der Erlöse aus dem Buchverkauf, den eBooks und aus Lesungen
gehen an Hilfsprojekte in Indien und Bangladesch.
Lesungen mit Georg Felsberg zu Gunsten der Hilfsprojekte können auch privat
gebucht werden über georg.felsberg(at)t-online.de
und für Netz e.V. Bangladesch über Dagmar Schwarze-Fiedler schwarze-fiedler(at)bangladesch.org
Die Lesungen können auch mit Bildern des Autors vom Beamer, die den Text begleiten, stattfinden.

 
 

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