Taste Alt+6. Schrift kleiner Schrift größer

AWO Begegnungsstätte "Irma Zöller" + KunstWohlfahrt
 

Der Maler und Zeichner Benno Huth ist tot

Vermischtes

Der Maler und Zeichner Benno Huth ist tot.
Der Pfeil des Zeus hat ihn getroffen – plötzlich und ohne Vorankündigung.
Er wurde 83 Jahre alt.
Wer ihn kannte, weiß, dass es so in seinem Sinne gewesen war – wenn auch etwas zu früh, denn Benno Huth liebte das Leben:
Er liebte das muntere Treiben vor seinem Atelier auf der Straße und auf den Spielplätzen.
Er liebte die Bauten, die Parks und die Brunnen seiner Stadt Karlsruhe.
Er liebte die Cafés und die Törtchen dort und die Kaffeekränzchen der alten Damen.
Er war sehr gesellig und ein guter und interessanter Unterhalter.
Er liebte die Kunst, die Musik, die Literatur, das Theater und den Zirkus.
Er liebte das Reisen. Er liebte die Schauplätze.
Er kannte alle Barockkirchen in Deutschland.
Tiepolo war für ihn der Größte. Auch die Brüder Asam. Und Leonardo.
Und Mozart und Chopin und Cechov.
Seine Kindheit verbrachte Benno Huth in der kleinen Stadt Pfullendorf – dort wohnten seine Eltern während des Krieges. Und dort fand er frühe Inspiration in der kleinen Barockkirche, die man jeden Sonntag besuchte. Die üppige und wunderbare Versammlung der Heiligen und Engel prägten seine Fantasie und erschienen später neu in seinen Bildern – als moderne, bunte Figuren mit allen Facetten der seltsamen Komödie unseres Daseins.
Seine Begabung wurde früh erkannt: Zurück in Karlsruhe entstanden in seiner Jugendzeit Illustrationen zu Grimms Märchen, die er im Alter von 12 Jahren in der Kunstakademie präsentieren durfte.
Nach dem Abitur studierte er an der Kunstakademie Karlsruhe Malerei und Graphik – Karl Hubbuch und Herbert Kitzel waren seine Lehrer – danach Altphilologie in Hamburg und Freiburg. Die Gestalten der antiken Mythologie sollten später auch seine Bilder bevölkern.

Nach dem Studium versuchte er - ohne Freude, in der Schule Fuß zu fassen – wie sein Vater dies wollte – und entschied sich 1970 für seinen eigentlichen
Beruf: Er wurde freier Künstler. Es ist bewundernswert, wie er – mit nicht so sehr großem Geschäftssinn begabt – sich bis zum Ende halten konnte im heutigen Kunstbetrieb.
Rasch hat er sich einen Namen gemacht: Zunächst als der beste Faschingsdekorateur aller Zeiten. Dann mit seinen Illustrationen zu Ovid und Properz und auch als Mitarbeiter an dem berühmten alljährlich erschienenen Brechtkalender Ost/West (hrsg. Eberhard Dänzer) .
Er war ein hervorragender Porträtist: Ob Mensch – ob Hund – ob Gebäude - ob Karlsruher Brunnen – alles konnte von ihm verlangt werden.
Benno Huth steht in der langen Tradition der Karlsruher Realisten – hat aber stets seinen eigenen Stil verteidigt.
Sehr gerne hätte er mehr Großaufträge bekommen: Fähig war er dazu, wie die besondere Ausmalung der Innenräume des Malscher alten Bahnhofs zeigt und – öffentlich zugängig - die Illusionsmalerei im Hof des Geschäftshauses „Das Goldene Kreuz“ am Augustaplatz in Baden-Baden: die 4 Jahreszeiten als große Figuren in antiken Gewändern und Posen. Seine Arbeiten wurden an vielen Orten ausgestellt - und er konnte einige Kunstpreise gewinnen. Nie gingen ihm die Ideen aus: Die Vorstellungen der Renaissance und die aktuellen Themen wie Geld – Armut – Einsamkeit – Lust - Komik – Liebe – Körper – Sport - Landschaften und Städte verbanden sich in seinem Kosmos zu einer unverwechselbaren Einheit.
Er hinterließ ein sehr lebendiges, umfangreiches Werk: Jetzt können die Kunsthistoriker mehrere Masterarbeiten schreiben lassen. Benno Huth wird uns fehlen.

Annette Ziegler – 22.04.2020